Hintergrund

Das Wasserschlössle und das Freiburger Stadtsiegel

Warum das Wasserschlössle drei Zinnentürme trägt — und was das mit dem Stadtsiegel von 1245 zu tun hat.

Das Wasserschlössle im Sternwald oberhalb der Wiehre wurde 1895/96 von der Freiburger Firma Brenzinger & Cie. errichtet und gehört zu den ungewöhnlichsten Zweckbauten der Stadt. Die burgenartige Fassade aus Sandstein und Betonsteinen mit drei Zinnentürmen ist eine bewusste Reverenz an das Freiburger Stadtsiegel von 1245. Der Bau speichert auf 314 Metern über dem Meer rund 3.800 Kubikmeter Trinkwasser in zwei Kammern und versorgt im Schwerkraftprinzip die östlichen Stadtteile. 2001 wurde die Anlage um einen zusätzlichen Behälter mit etwa 6.000 Kubikmetern erweitert, weil Bevölkerungswachstum und dichte Bebauung die Reserven knapp werden ließen. Betrieben wird das Hochbehälter-Ensemble heute von bnNETZE, einer Tochter der badenova.

Das Vorbild der Fassade, das große Freiburger Stadtsiegel, ist seit 1245 belegt und zeigt eine dreitürmige Stadtmauer mit offenem Tor, zwei Hornbläsern auf den Seitentürmen, einer Lilie unter dem Mittelbogen und vier Sternen über den Zinnen. Die Symbole stehen für Gerichtshoheit, Gerechtigkeit und Landfrieden. Das Motiv prägt bis heute das städtische Wappen und ist auf den gusseisernen Kanaldeckeln der Altstadt zu sehen, die als kleines, begehbares Stadtarchiv unter den Füßen der Passanten liegen.

Wasserschlössle und Kanaldeckel verbinden so dieselbe mittelalterliche Bildsprache mit zwei Epochen technischer Infrastruktur und machen Freiburger Stadtgeschichte buchstäblich im Stadtraum lesbar.

Das Wasserschlössle und das Freiburger Stadtsiegel

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