Hintergrund
Edmund Husserl in der Wiehre
Der Begründer der Phänomenologie lebte in der Lorettostraße 40 — eine Spurensuche.
Edmund Husserl (1859–1938), geboren im mährischen Proßnitz und Begründer der Phänomenologie, wechselte 1916 als ordentlicher Professor von Göttingen an die Universität Freiburg und prägte über mehr als ein Jahrzehnt das philosophische Profil der Albert-Ludwigs-Universität. Mit seiner Frau Malvine bezog er eine Wohnung in der Lorettostraße 40 in der Unterwiehre-Süd, die für rund zwei Jahrzehnte Wohn- und Arbeitsort der Familie blieb. Zu seinen Assistenten in Freiburg gehörten Edith Stein und ab 1920 Martin Heidegger, der Husserl 1928 auf dem philosophischen Lehrstuhl nachfolgte. Husserls letzte Vorlesung hielt er am 25. Juli 1928; zentrale Werke wie die „Logischen Untersuchungen“, die „Ideen zu einer reinen Phänomenologie“ und die späte „Krisis“-Schrift gehören bis heute zum Kern moderner Philosophie.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Husserl wegen seiner jüdischen Herkunft an der eigenen Universität ausgegrenzt; am 6. April 1933 entzog man ihm die Lehrbefugnis. 1937 zwangen anhaltende Anfeindungen aus der Nachbarschaft – darunter ein im Haus wohnender SA-Mann – das Ehepaar zum Umzug von der Lorettostraße in die Schöneckstraße 6. Edmund Husserl starb am 27. April 1938 in Freiburg und ist auf dem Friedhof in Günterstal bestattet.
Seit Frühjahr 2013 erinnern zwei Stolpersteine vor der Lorettostraße 40 an Edmund und Malvine Husserl; ein weiterer Stein liegt vor dem Kollegiengebäude I. Sein wissenschaftlicher Nachlass wird im Husserl-Archiv in Löwen verwaltet, in Freiburg arbeitet das Husserl-Archiv am Philosophischen Seminar an Edition und Forschung.
Quellen