Hintergrund
Vom Dorf Adelhausen zum Annaplatz
Wie ein verschwundenes mittelalterliches Dorf zum dörflichsten Platz der heutigen Wiehre wurde.
Auf dem Gebiet der heutigen Mittelwiehre lag bis ins späte 17. Jahrhundert das Dorf Adelhausen, das gemeinsam mit dem benachbarten Wiehre-Dorf erstmals 1008 urkundlich erwähnt wurde. Schon im 13. Jahrhundert siedelte sich hier ein Dominikanerinnenkloster an — das Kloster Adelhausen, erstmals 1236 belegt. Die mittelalterliche Pfarrkirche überstand zwar den Dreißigjährigen Krieg, fiel aber später dem Festungsbau zum Opfer: Nachdem Frankreich Freiburg 1677 eingenommen hatte, ließ Ludwig XIV. die Stadt unter Sébastien Le Prestre de Vauban ab 1678 zu einer mächtigen Bastionärfestung mit acht Bastionen ausbauen. Das gesamte Dorf Adelhausen samt Kirche wurde im Vorfeld der Festung abgetragen, um freie Schussfelder zu schaffen.
Erst nach dem endgültigen Abriss der französischen Festungsanlagen begann der Wiederaufbau am alten Ort. Der Grundstein für die heutige kleine Barockkirche St. Cyriak und Perpetua wurde im August 1753 gelegt, die Weihe folgte im März 1755. Entwerfender Architekt war Johann Baptist Hering (1716–1790), die Ausführung übernahm Joseph Schauberger (1699–1760). Um diesen Bau gruppierte sich der Annaplatz, der dem volkstümlichen Namen „Annakirchle“ seinen Ursprung gibt.
Bis 1813 diente das Areal um die Kirche zugleich als Friedhof. Heute bildet der baumbestandene Annaplatz mit dem barocken Kirchlein das ruhige, fast dörfliche Subzentrum der Mittelwiehre — ein direkter städtebaulicher Nachhall des untergegangenen Dorfes Adelhausen.